Living Library – Lebensgeschichten von Mensch zu Mensch erzählt

Samstag, 21. März 2026, 13:30 - 16:00 Uhr
Bibliothek Zug, St.-Oswalds-Gasse 21, 6300 Zug
Literatur

Lebensgeschichten einer Iranerin, eines Afghanen, eines Kenianers, eines Kongolesen und eines Honduraners: Für einmal stehen sie nicht zwischen zwei Buchdeckeln, sondern werden von Mensch zu Mensch erzählt.

Freuen Sie sich auf spannende Begegnungen und kommen Sie bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch!

Gesprächsbeginn um 13.30, 14.10, 14.50 und 15.30 Uhr.

Ein Projekt des Kantonalen Sozialamtes und der Bibliothek Zug im Rahmen der "Aktionswoche gegen Rassismus".

In der «Living Library» stellen sich Personen, die aufgrund ihrer Ethnie, Sprache, Hautfarbe, Religion, Lebensgestaltung oder Herkunft diskriminiert werden, als eine Art «lebende Bücher» für Gespräche zur Verfügung. In 30-minütigen Sequenzen berichten sie von ihren persönlichen Erfahrungen, beantworten Fragen und regen zum Nachdenken an. Teilnehmende erhalten in den Gesprächen die Gelegenheit den Wahrheitsgehalt von Vorurteilen zu hinterfragen und sich aufgrund der direkten Begegnung eine persönliche Meinung über einen Menschen zu bilden. Die Veranstaltung ist Teil der internationalen Aktionswoche gegen Rassismus, welche jedes Jahr im März stattfindet. Der Kanton Zug unterstützt die «Living Library» im Rahmen des kantonalen Integrationsprogrammes KIP. Mit dabei sind in diesem Jahr:

Setareh, 17, Iran
Wir mussten fliehen, die iranische Regierung hat uns verfolgt. Nicht mal in der in der Türkei waren wir sicher. Bei der nächtlichen Überfahrt nach Griechenland sind wir beinahe ertrunken. Als man uns sogar dort in einem der Flüchtlingscamps ortete, reisten wir weiter in die Schweiz. Das ist die ultrakurze Version meiner Flucht. Die lange involviert, dass auf uns geschossen wurde, wir monatelang unter freiem Himmel, in der Kälte, schliefen. Dass wir Rassismus vor allem von anderen Ausländern erfuhren. Dielange Version erzählt aber auch von grossen Herzen, Hilfsbereitschaft und einem griechischen Ort so zauberhaft, dass ich nochmal dahin zurückwill. Irgendeinmal. Ich absolviere hier das zehnte Schuljahr und möchte anschliessend IT-Expertin werden. Wenn ich genug Geld gespart habe, möchte ich einer Menschenrechtsorganisation dabei helfen, Familien in Armut zu helfen. Niemand soll in Hunger und Armut leben müssen.

Ali, 22, Afghanistan
Ich kam vor einem Jahr in die Schweiz, deshalb besuche ich noch den Deutschkurs und kann noch nicht arbeiten. Zuhause, in Kabul, hatte ich Wirtschaft studiert. Ich musste das Studium abbrechen und fliehen, weil die Taliban die Stadt übernommen haben. Das wird in naher Zukunft keine Besserung geben. Meine Mutter und meine Schwester sind noch in Afghanistan. Es war zu gefährlich für sie, zu fliehen. Sie können nichts machen - nicht arbeiten, nicht lernen, eigentlich nicht mal das Haus verlassen. Sie haben keine Rechte mehr. Das ist kein Leben. Ich finde, Frauen sollten die gleichen Freiheiten haben, wie wir Männer. Sie sollten leben können.

Herve, 22, Kenia und Kongo
Meine Mutter ist Kenianerin, mein Vater stammt aus dem Kongo. Wir sprechen zuhause Suaheli. Ich spreche auch deutsch, englisch und französisch. Meine Eltern sind hierhergezogen, weil sie für uns eine bessere Zukunft wollten. Meine Mutter ist Muslimin, mein Vater Christ. Meine Schwester hat sich für den Islam entschieden, ich mich für das Christentum - unsere Eltern haben uns den Entscheid überlassen.

Ich habe in der Schweiz wenig Rassismus erfahren. Ich bin in Schwamendingen aufgewachsen, wo es viele Ausländer hat. Meine Freunde waren eher neugierig auf unsere Kultur und sich mochten unser traditionelles Mahl: Futu, eine Art gekochter Mais.

Hugo, 46, Honduras
Meine Ex-Frau ist Schweizerin. Kennen gelernt hatten wir uns in Costa Rica. Als wir vor 18 Jahren zusammenin die Schweiz kamen, war sie mit unserem Sohn schwanger. Neben Costa Rica habe ich auch in Stockholm gelebt - die europäische Lebensweise war für mich also nicht neu.

Die grösste Herausforderung bei der Integration ist für mich das Schweizerdeutsch, genauer: das Verhältnis der Schweizer zum Hochdeutsch. Ihr lernt von der ersten Primarklasse an Hochdeutsch, ihr versteht es sehr gut und doch spricht es keiner gern. Ich finde, dass das die Integration erschwert. Schweizerdeutsch sprechen zu lernen, sollte prioritär sein. Ich bin Künstler und absolviere aktuell den Master in Art Education, damit ich an der Kanti unterrichten kann. In meiner Kunst befasse ich mich auch mit Ethnien und was es bedeutet, anders zu sein. Meine Kinder sind in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Manchmal erzählen sie mir, dass sie wie Ausländer behandelt werden.

Anmeldung: bibliothek@stadtzug.ch (Reservation der gewünschten Person und Gesprächszeit). Auch spontane Gespräche am Anlass sind möglich.

Preis
Teilnahme kostenlos
Organisator
Bibliothek Zug
Organisator E-Mail Adresse
bibliothek@stadtzug.ch
Organisator Telefonnummer
+41 58 728 95 00